Fasten im Ramadan heißt auch: nichts trinken. Forscher aus Israel haben jetzt einen Zusammenhang zwischen Fasten und der Schwere sowie Häufigkeit von Migräneattacken festgestellt.
Am 11. August beginnt der Ramadan - konsequentes Fasten bei Tag ist für gläubige Muslime Pflicht. Aber Fasten heißt auch: nichts trinken. Forscher aus Israel haben jetzt eine Studie veröffentlicht, in der sie die Folgen des Fastens auf Schwere und Häufigkeit von Migräneattacken untersuchten. Gemeint ist beim Fasten vor allem der Verzicht auf Flüssigkeiten und die daraus folgende Dehydrierung des Körpers.
Die Forscher ließen 32 Probanden ein Migränetagebuch führen - und zwar während des Fastenmonats und auch während des Monats danach. 30 der Versuchspersonen hielten das Fasten durch, zwei mussten es wegen unerträglicher Attacken abbrechen. Das Ergebnis der Studie war eindeutig: Während des Fastens litten die Patienten an durchschnittlich 9,4 Tagen unter Migräne. Im darauf folgenden Monat „nur“ an 3,7 Tagen. Interessanterweise waren die Migräneattacken zwar deutlich länger, aber nicht häufiger. Außerdem waren sie in der Fastenzeit häufiger mit einer Migräneaura assoziiert: Hierbei bemerken die Betroffenen vor dem Beginn der Kopfschmerzen typischerweise ein sternförmiges Flirren vor den Augen, das langsam zunimmt und das Gesichtsfeld verkleinert, dann aber wieder abnimmt - und dem am Schluss die schmerzhafte Attacke folgt (diese Aura selbst ist nicht schmerzhaft und hat den Vorteil, dass man sofort Medikamente gegen die folgenden Schmerzen einnehmen kann, die besser wirken, je früher sie eingenommen werden). Hinzu kommt, dass während der Fastenzeit der normale Schlaf-Wach-Rhythmus oft verändert wird, da die Mahlzeiten sehr früh (vor Sonnenaufgang) beziehungsweise sehr spät (nach Sonnenuntergang) eingenommen werden - und bei Migränepatienten können Veränderungen eines sonst regelmäßigen Tagesablaufs wiederum eine Attacke auslösen oder verlängern.
Migräne durch Kaffeeverzicht
Die Konsequenz für Ärzte: Sie sollten ihre muslimischen Patienten vor dem Fasten über die Nebenwirkung des Flüssigkeitsentzugs aufklären. Und über die Folgen eines plötzlichen Koffeinverzichts: Denn auch bei regelmäßigen Kaffeetrinkern besteht die Gefahr, dass Migräneattacken durch den Entzug länger andauern (eine alte Erfahrung: Die häufigste Ursache für Kopfschmerzen nach Operationen sind nicht die Narkosemittel, sondern der ungewohnte Kaffeeverzicht vor und nach der Operation).
Aber der Arzt kann bei starker Migräne eine medikamentöse Migränevorbeugung empfehlen, die nachts außerhalb der Fastenzeit eingenommen werden kann. Übrigens sind Kranke vom Fastengebot ausdrücklich ausgenommen - und Migräne ist eine schwere, wenn auch keine gefährliche Krankheit.
Quelle: www.ksta.de
Autor: Magnus Heier
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